Reise Know-How Verlag Tondok
Reiseführer für Ägypten, Jordanien, Israel und Ostdeutschland

Faszination Westliche Wüste

Faszination Westliche (Libysche) Wüste

Letzte Aktualisierung: Frühjahr 2012
Da derzeit - 2017/18 - ein Großteil der Westlichen Wüste für Touristen gesperrt ist, kann keine weitere Aktualisierung erfolgen

Vorbemerkung: Der Inhalt dieser Webseite gehört theoretisch in unseren Reiseführer ÄGYPTEN INDIVIDUELL, der aber mit über 700 Seiten schon genug Gewicht ins Reisegepäck bringt. Er beschreibt die gängigen Routen und Ziele wie die Oasen oder die Weiße Wüste sehr ausführlich. Für die relativ kleine Zahl an Besuchern, die auf Safari-Basis die westlichen und südlichen Gebiete bereisen wollen, soll das Buch nicht noch dicker werden, aus diesem Grund der Ausweg ins Web.

Die Wüste ist ein durchaus fragiles Gebilde, daher sollten Expeditionen nur in Begleitung entsprechend ausgebildeter oder sensibilisierter Personen erfolgen. Wir haben aus diesem Grund nur Koordinaten angegeben - bis auf wenige unsensible -, die bisher bereits veröffentlicht wurden. Es ist zu hoffen, dass durch die Einrichtung des National Parks Gilf Kebir die Besucherströne besser koordiniert und über den Umgang mit den historischen und landschaftlichen Attraktionen informiert werden.

Wil Tondok

Inhaltsverzeichnis
Hintergrund
Großes Sandmeer
Gilf Kebir
Gebel Uwaynat
Südöstliche Westliche Wüste

Gefahren
Reisevorbereitungen 

Lama Felsen
Regenfeld
Abu Ballas
Mud Pans
Kraterfeld
Wadi Bakht
Eight Bells
Kemal el Din Denkmal
Clayton Craters
Gebel Uwaynat
Karkur Talh
Vom Uwaynat zum Gilf Kebir
Three Castles
Wadi Sura
Mestekawi-Foggini Cave (New Cave)
Aqaba Pass
Wadi Hamra

Silica Valley
Großes Sandmeer
Ain Della
Westliche Weiße Wüste


Informationen, Reiseberichte
Internetlinks

Die westliche Wüste und ihre Landschaft

Das folgende Kapitel soll der grundsätzlichen Information dienen. Unter der Überschrift Unterwegs in der Westlichen Wüste geht es dann um die konkreten Ziele. Überschneidungen lassen sich manchmal nicht vermeiden.
Wir verwenden durchgängig den Begriff WESTLICHE WÜSTE, aber dieses Gebiet ist ebenfalls unter LIBYSCHE WÜSTE bekannt - beide Begriffe scheinen fast gleichwertig und ähnlich oft in Gebrauch zusein.

Hintergrund

Zwar gilt die Wüste dem Durchschnittsbesucher aus dem kühlen Norden immer noch als unheimlich, unkomfortabel und im Wesentlichen aus Sand bestehend. Dass dieses Bild völlig schief liegt, kann nur ein Besuch wirklich klarstellen. Auch dieses Kapitel soll das Trugbild korrigieren helfen; denn das riesige Areal bietet nicht nur überaus faszinierende Landschaften, sondern auch prähistorische Relikte, die lange vor den geschichtlichen Aufzeichnungen entstanden.

Die extreme Trockenheit der Sahara wechselte - laut Stefan Kröpelin vom Heinrich-Barth-Institut der Universität Köln - etwa 8500 vC zu feuchtem Klima. Damals zogen die Monsunregen etwa 700 km weiter nach Norden als heute. Über weite Flächen verwandelte sich die Wüste in Savanne, durchzogen von Flussläufen und Seen, deren Trockenbetten (Playas) heute noch feststellbar sind. Wie u.a. Felszeichnungen beweisen, lebten vermutlich nomadisierende Menschen vor allem in der Ostsahara. Keramikfunde lassen sich eindeutig jener Zeit zuordnen; Keramik als der erste Kunststoff der Menschheit wurde offenbar am Südrand der Sahara erfunden. Um 5000 vC wendete sich das Blatt erneut, die Sahara nahm innerhalb der nächsten eineinhalb Jahrtausende ihre jetzige Gestalt an; die jährliche Regenmenge verringerte sich von 1000 mm auf den heutigen Stand von 1 mm pro Jahr. Schon bald fanden die Menschen, die sich vom Jäger zum Viehzüchter entwickelt hatten, immer weniger Futter für ihre Tiere, viele von ihnen suchten lange vor Gründung des pharaonischen Alten Reichs Zuflucht am Nil. Das „frische Blut“ trug vermutlich nicht unerheblich zur Entwicklung der frühen ägyptischen Kultur bei.

Noch bis in die 1920er Jahre zeichneten allerdings die modernen Ägypter auf ihren Karten Gebiete westlich der Oasenkette Siwa - Bahariya – Kharga größtenteils als weiße Flächen ein. Diese Gegend war allen menschlichen Bemühungen zur Eroberung so feindlich gesonnen, dass sie als große Unbekannte, als Reich der Toten im übertragenen wie im wörtlichen Sinn, über Jahrtausende auch unbekannt blieb. Zwar durchstreiften immer wieder Beduinen die menschenleeren Flächen, aber nur selten erreichte einer die westlichen Oasen – und wenn, dann kaum in freundlicher Absicht. Umgekehrt bestand für die Bewohner des fruchtbaren Niltals kein Anlass, sich dieser lebensbedrohenden Unbekannten auszuliefern.

So dachte man noch bis vor wenigen Jahren. Doch der Kölner Wüstenwanderer Carlo Bergmann - der sich selbst in einem Buchtitel als der Letzte Beduine apostrophiert - entdeckte im Winter 1999/2000 pharaonische Tonkrug-Wasserreservoire, deren Weg von Dakhla aus in den Süden wies. Im Herbst 2000 stieß er südwestlich von Dakhla auf einen Berg, den er Wasserberg nach einer hieroglyphischen Inschrift an einer Felswand nannte. Weiterhin ist an der Wand zu lesen, dass zur Zeit von Cheops zwei Expeditionen in diese Gegend geschickt wurden, um Sandsteinfarbpigmente zu gewinnen. Prähistorische Felsbilder (Petroglyphen) auf der Wand bezeugen, dass nochmals Jahrtausende vorher hier Menschen lebten.
Ein halbes Jahr später entdeckte Bergmann auf einer nahe gelegenen Felswand eine Art Lageplan, ebenfalls aus prähistorischer Zeit. Folgt man seiner Interpretation, dann handelt es sich hier sehr wahrscheinlich um eine längst ausgetrocknete Oase. Sie könnte die sagenumwobene, verschollene Oase Zazura gewesen sein, nach der immer wieder gesucht wurde und die zum Teil sogar die Entdeckungen in diesem Gebiet erst anstieß.

Bei nachfolgenden Forschungen fand Bergmann weitere Tonkrug-Depots, die von Abu Ballas (dem bis dahin einzig bekannten Depot) zum Gilf Kebir reichen und eine Trasse markieren, die vielleicht über die Oase Kufra in Libyen bis in den heutigen Tschad führte. Die ältesten Funde reichen in die Zeit der 18. Dynastie zurück.

Carlo Bergmann reiht sich in eine längere Reihe von Wüstenforschern ein. Der deutsche Afrikaforscher Gerhard Rohlfs (Geburtshaus und Museum in Bremen-Vegesack) hatte 1874 erste Forschungsreisen in die bis dahin von keinem Europäer betretene riesige Wüstenfläche unternommen, Anhaltspunkte durch Vermessungen geschaffen und Berichte veröffentlicht. Nach dem Ersten Weltkrieg unternahm der Ägypter Hassanein Bey eine Nord-Süd-Durchquerung der Westlichen Wüste; er berichtete als Erster über den Gebel Uwaynat. In den Folgejahren leisteten die Engländer Bagnold, Newbold, Shaw, Clayton, Harding-King und Dr. Ball wichtige Beiträge. Mitte der 30er Jahre leistete der deutsche Völkerkundler Leo Frobenius wichtige Beiträge zur Erforschung der Felsbilder. Nicht zu vergessen der ungarische Abenteurer und Forscher Graf Almásy, der sich intensiv mit dem Gilf Kebir beschäftigte und u.a. viele Felszeichnungen fand – nicht aber die verschollene Oase Zazura, die er leidenschaftlich suchte. Wer Gelegenheit hat, sein spannendes Buch “Schwimmer in der Wüste” zu lesen, der wird viel von der Faszination dieser Landschaft erahnen können.

Eine bemerkenswerte Persönlichkeit unter den Forschern war Prinz Kemal el Din Hussein, der auf den ägyptischen Thron verzichtete, weil er das Leben eines Wüstenforschers vorzog. Seine Laufbahn begann als Wüstenjäger, später mutierte er zum Wüstenforscher. Er zog mit Dienern und standesgemäßem Luxus hinaus in die noch vielerorts unbekannte Landschaft. Er hatte sich Citroen-LKWs mit Raupen im Hinterachsbereich ausrüsten lassen und war damit erstaunlich geländegängig. Er fand die von Rohlfs hinterlassene Steinpyramide Regenfeld wieder, nahm dessen Botschaft aus einer hinterlegten Flasche und tauschte sie gegen eine eigene aus. Bei seinem zweiten Trip zum Gebel Uwaynat entdeckte er einen riesigen Gebirgszug, den er Gilf Kebir (Großes Kliff) nannte. 1932 verletzte er sich bei einer Expedition und starb bald daran.

Im Zweiten Weltkrieg hatten 1941 die Franzosen die Oase Kufra erobert, waren aber auf militärische Versorgung durch die Engländer angewiesen. Zwei Jahre lang fuhren britische Militärkonvois der Long Desert Range Group von Wadi Halfa über Bir Meshaha um die Südspitze des Gilf Kebir nach Kufra; 1200 km Piste ohne Versorgung. Der Militäreinsatz hatte auch sein Gutes: Die soldatischen Kartografen vermaßen die gesamte Gegend und zeichneten die ersten zuverlässigen Karten. Andere Hinterlassenschaften wie stecken gebliebene LKWs sind immer noch zu sehen. In der Nähe von Eight Bells wurde 1992 ein voll beladener Munitions-Lkw entdeckt, dessen Motor nach Betanken sogar noch ansprang. Das Gefährt wurde dann ins Kriegsmuseum von El Alamein gebracht.
Die Westliche Wüste wird heute von den Ägyptern heimlich-hoffnungsvoll als eine Art unterirdischer Schatzkammer angesehen. Die bisherigen Explorationen ergaben, dass in der Gegend südlich von El Alamein Erdöl und Erdgas lagern (und auch ausgebeutet werden); in der Nähe der Oase Bahariya wird die größte Erzmine des Landes betrieben; bei Kharga (Abu Tartur) ist eine der größten Phosphatminen der Welt in Betrieb gegangen; bei Beni Suef gibt es Alabaster; im Fayum wird im großen Stil Salz gewonnen.
Die Landschaften

Die Westliche Wüste umfasst ein riesiges Areal, das am Westufer des Nils beginnt und im westlichen Libyen endet. In Ägypten wird sie auch Westliche Wüste genannt. Hier soll im wesentlichen nur vom südwestlichen Teil dieser Wüste die Rede sein. Sie zählt zu den trockensten Gebieten weltweit, oder hält sogar den Rekord an Trockenheit. In diesem größten hyperariden Raum der Erde regnet es an manchen Stellen Jahrzehnte nicht. Im Durchschnitt ist in vielen Bereichen mit 1 mm Niederschlag pro Jahr zu rechnen, in der Oase Dakhla z.B. immerhin mit Wassermassen von 5 mm pro Jahr. Dagegen verdunsten dort, wo Wasser vorhanden ist, wegen der Hitze jährlich 6000 mm!

Ganz grob lässt sich die Westliche Wüste, die im Prinzip eine etwa 300 m hoch gelegene, nach Norden abfallende Kalk- und Sandsteinfläche ist, in deutlich unterscheidbare Gebiete unterteilen. Nur wenige Kilometer von der Mittelmeerküste bei El Alamein entfernt sinkt die Oberfläche bis zu 133 m unter Meeresspiegelniveau ab. Diese Depression, Qattara-Senke genannt, erstreckt sich 150 bis 200 km nach Süden; etwa an ihren Südwestausläufern liegt die malerische Oase Siwa (die Oasen sind in entsprechenden Kapiteln von ÄGYPTEN INDIVIDUELL beschrieben).


Großes Sandmeer

Nach Süden folgt das Große Sandmeer (englisch Great Sandsea, meist auch als Große Sandsee übersetzt), dessen Unmengen an Sand zum Teil aus der Qattara-Senke, aus Siwa und anderen Oasen stammen. Es scheint tatsächlich ein Meer zu sein, dessen riesige Wellen im Sand erstarrt sind. Es dehnt sich (von Siwa beginnend) in Nord-Süd-Richtung fast 800 km aus, von Ost nach West streckenweise über 200 km. An der Ost- und Westflanke steht jeweils die erste Düne mit gut 50 m Höhe wie eine Trutzmauer in der Wüstenebene. Dahinter folgen weitere Dünenketten mit bis zu 100 m Höhe. Häufig gehen sie ineinander über, und nur noch die Wellenkämme aus goldgelbem Sand “wogen” über die schier endlose Fläche.
Im Süden stoßen die Ausläufer des Sandmeeres an das Gilf Kebir Plateau, am Gap, dem Einschnitt zwischen Nordwest- und Südostgebiet, züngeln sie sogar über die Barriere hinweg, wie Satellitenfotos deutlich zeigen. Stellenweise türmen sie sich bereits übereinander und füllen Wadis auf. Irgendwann werden sie mehr oder weniger das gesamte Plateau begraben haben. Denn die Dünnen breiten sich als Longitudinaldünen (Seif) in der Hauptwindrichtung aus. Sie wandern, wenn auch langsam, stetig südwärts.

Am westlichen Rand des Großen Sandmeers – etwa auf der Höhe der Oase Dakhla – kommt in einem Gebiet, das Silica Valley genannt wird, „Libyan Desert Silica Glass“ vor. Auf einer Fläche von ca. 1000 qkm liegen milchig-gelbe bis blassgrüne Glasstücke oder -brocken herum, die nur hier vorkommen. Grundsätzlich entsprechen die Eigenschaften denen üblicher Glassorten, jedoch weichen sie in verschiedenen Parametern von den bekannten Spezifikationen ab. So liegt zum Beispiel der Schmelzpunkt bei über 1700°C, 500° höher als bei anderen natürlichen Glassorten.

1932 wurde das Vorkommen von Clayton entdeckt, eigentlich wiederentdeckt. Denn schon im Pektoral im Grabschmuck von Pharao Tutenchamun glänzt ein großer Skarabäus, der aus diesem Glas gefertigt wurde und der dafür spricht, dass es im Niltal bekannt und sein Wert sehr hoch war. Auch schon in der Jungsteinzeit nutzte man es für Pfeilspitzen, Faustkeile etc.

Über die Entstehung gibt es mehrere Theorien, aber keine kann eine uneingeschränkte Antwort geben. Sie reichen vom Meteoriteneinschlag bis zur Entstehung durch Sedimentation. Zumindest steht fest, dass dieses auf der Erde einmalige Glas vor etwa 29 Millionen Jahren entstanden ist.

Die wegen ihrer schneeweißen Kalkfelsen bekannte Weiße Wüste, die eine der ganz besonderen Attraktionen darstellt (siehe ÄGYPTEN INDIVIDUELL), liegt östlich der Dünen in der Nähe der Oase Farafra. Noch ein weiteres Stück östlich zieht sich die Abu Muharik Düne, mit über 400 km der längste ununterbrochene Dünenzug Ägyptens, bis zur Oase Kharga nach Süden. Nur etwa 10 km westlich der Düne am alten Kameltrek von Farafra nach Assiut stieß Carlo Bergmann auf die einst von Rohlfs entdeckte, dann in Vergessenheit geratene Höhle Djara (oder Gara). Innerhalb der etwa 250 Quadratmeter großen Höhle bildeten sich Stalaktiten und Stalagmiten (!) in einer Zeit, in der genügend Wasser zur Tropsteinbildung vorhanden war. Viel später, etwa 7000 - 4000 vC war die Umgebung besiedelt, wie Felsbilder in der Höhle und viele Artefakte von den Siedlungsstellen beweisen.
Gilf Kebir

Das Felsplateau namens Gilf Kebir besteht aus zwei Teilen, die durch einen Einschnitt (Gap) von ca. 20 km Breite getrennt sind. Der nordwestliche Teil wird auch Abu Ras Plateau genannt und der südwestliche Kemal el Din Plateau. Insgesamt ist das Gilf Kebir ca. 300 km lang und 50 bis 80 km breit; flächenmäßig entspricht es etwa der Schweiz. Die riesige Felsbarriere steigt im Südosten aus dem 650 m hoch gelegenen Wüstenboden – allerdings mit einer etwa 150 m hohen Stufe - und erhebt sich allmählich bis auf 1060 m Höhe im nordwestlichen Bereich. An den Flanken bricht das aus sehr hartem Sandstein bestehende Plateau meist abrupt um einige 100 m ab. Die zum Teil wild zerklüfteten, von tief eingeschnittenen Wadis unterbrochenen Steilabfälle machen die eigentliche landschaftliche Faszination des Gilf Kebir aus. Wobei seine weitgehend ebene Oberfläche steinig und ziemlich öde ist. Die Nordseite besteht vielfach aus erodierten Sandsteinbergen. Die vielen Wadis entstanden in den vergangenen Feuchtezeiten durch Wasserablauf von der Oberfläche des Plateaus.

Als in den 1970er Jahren die NASA nach einer Landschaft suchte, wie sie auf Marsfotos zu sehen war, fand man das Gilf Kebir als das ähnlichste Gebiet auf der Erde. 1978 kam dann eine amerikanische Expedition und informierte sich auf der Erde über den Mars...

Die Täler des Südteils sind deutlich kürzer als die im Norden. Von Interesse sind hauptsächlich die Wadis an dessen Ostseite. Zum Teil bergen sie historische Relikte, wie zum Beispiel das Wadi Bakht und das Wadi Akhdar (genauere Beschreibung beider Wadis siehe weiter unten), in dem sich einst ein See gestaut hatte, an dem über mindestens 2000 Jahre Menschen lebten und viele Zeugnisse hinterließen. Es wurden Steinwerkstätten, "Zeltplätze" und Steinkreise im wohl damals ziemlich dicht bewohnten Wadi entdeckt.
Als meistbenutzte Auffahrt zum Plateau hat sich der Aqaba Pass erwiesen, der das so genannte Gap nutzt, einen ziemlich tiefen, sandverwehten Einschnitt zwischen dem Südost- und Nordwestgebiet. Es gibt noch weitere bekannte Pässe, u.a. den von einer Zazora-Expedition gefundenen und benannten Thaer Pass, der die Auffahrt von Norden auf das nördliche Gilf Kebir erleichtert. Der Lama-Monod Pass wurde bei einer Expedition von Samir Lama und seinem Begleiter Monod entdeckt, er führt vom Nordplateau in das Wadi Abd el Malik hinunter. Nicht zu vergessen die Abfahrt durch das Wadi Hamra.

Im Nordteil des Plateaus (Abu Ras Plateau) gibt es drei bekannte Wadis, die sich viele Kilometer tief in das Gilf Kebir hinein gefressen haben. Sie waren noch bis in die 1930er Jahre so begrünt, dass Tebu Beduinen - Nomaden der östlichen Zentralsahara - ihre Tiere dort weiden konnten; 1927 sollen es noch 40 Kamele und 18 Rinder gewesen sein. Im Nordosten dient das von roten Sanddünen markierte, von Akazien bestandene Wadi Hamra (rotes Tal) den meisten Expeditionen als Abfahrt Richtung Großes Sandmeer. An drei Stellen wurden bisher Felsritzungen entdeckt.

Von Norden her treibt das Wadi Abd el Malik, das von Almásy nach dem letzten dort bekannten Tebu Beduinen benannt wurde, eine etwa 50 km lange Kluft in das Plateau, in der viele, heute verdorrte Akazienbäume stehen. Immer wieder zweigen Seitenwadis von ihm ab, von denen das Wadi Talh (Akazien-Tal) durch Almásys Suche nach der verwunschenen Oase Zazura bekannt wurde. Mindestens drei Plätze mit Felskunst sind bisher entdeckt worden. Der Ausgang des Wadi liegt kurz vor der Westlichen Grenze.

Am Nordrand gibt das als Ost-West-Passage bekannte Wadi Qubba eine Durchfahrt frei. Nördlich davon setzt sich ein bis zu 50 m hoher Ausläufer des Gilf Kebir noch etwa 100 km nach Norden fort.

Am Südwestrand des Gilf Kebir liegt das kurze, durch Felsbilder bekannte Wadi Sura mit der Höhle der Schwimmer, das durch den Film Der englische Patient eine Art von Weltruhm erfuhr.

Im Januar 2007 wurde das Gilf Kebir und seine Umgebung zum Nationalpark erklärt. Er erstreckt sich etwa vom Silicaglas-Gebiet im Norden bis zum ägyptischen Teil des Gebel Uwaynat im Süden, stößt im Westen an die libysche Grenze und folgt im Osten sozusagen berührungslos dem östlichen Ausläufern des Gilf.
Als meistbenutzte Auffahrt zum Plateau hat sich der Aqaba Pass erwiesen, der das so genannte Gap nutzt, einen ziemlich tiefen, sandverwehten Einschnitt zwischen dem Südost- und Nordwestgebiet. Es gibt noch weitere bekannte Pässe, u.a. den von einer Zazora-Expedition gefundenen und benannten Thaer Pass, der die Auffahrt von Norden auf das nördliche Gilf Kebir erleichtert. Der Lama-Monod Pass wurde bei einer Expedition von Samir Lama und seinem Begleiter Monod entdeckt, er führt vom Nordplateau in das Wadi Abd el Malik hinunter. Nicht zu vergessen die Abfahrt durch das Wadi Hamra.

Im Nordteil des Plateaus (Abu Ras Plateau) gibt es drei bekannte Wadis, die sich viele Kilometer tief in das Gilf Kebir hinein gefressen haben. Sie waren noch bis in die 1930er Jahre so begrünt, dass Tebu Beduinen - Nomaden der östlichen Zentralsahara - ihre Tiere dort weiden konnten; 1927 sollen es noch 40 Kamele und 18 Rinder gewesen sein. Im Nordosten dient das von roten Sanddünen markierte, von Akazien bestandene Wadi Hamra (rotes Tal) den meisten Expeditionen als Abfahrt Richtung Großes Sandmeer. An drei Stellen wurden bisher Felsritzungen entdeckt.

Von Norden her treibt das Wadi Abd el Malik, das von Almásy nach dem letzten dort bekannten Tebu Beduinen benannt wurde, eine etwa 50 km lange Kluft in das Plateau, in der viele, heute verdorrte Akazienbäume stehen. Immer wieder zweigen Seitenwadis von ihm ab, von denen das Wadi Talh (Akazien-Tal) durch Almásys Suche nach der verwunschenen Oase Zazura bekannt wurde. Mindestens drei Plätze mit Felskunst sind bisher entdeckt worden. Der Ausgang des Wadi liegt kurz vor der Westlichen Grenze.

Am Nordrand gibt das als Ost-West-Passage bekannte Wadi Qubba eine Durchfahrt frei. Nördlich davon setzt sich ein bis zu 50 m hoher Ausläufer des Gilf Kebir noch etwa 100 km nach Norden fort.

Am Südwestrand des Gilf Kebir liegt das kurze, durch Felsbilder bekannte Wadi Sura mit der Höhle der Schwimmer, das durch den Film Der englische Patient eine Art von Weltruhm erfuhr.

Im Januar 2007 wurde das Gilf Kebir und seine Umgebung zum Nationalpark erklärt. Er erstreckt sich etwa vom Silicaglas-Gebiet im Norden bis zum ägyptischen Teil des Gebel Uwaynat im Süden, stößt im Westen an die libysche Grenze und folgt im Osten sozusagen berührungslos dem östlichen Ausläufern des Gilf.
Das Gebiet, auf dem heute u. a. das Gilf Kebir und der Gebel Uwaynat liegen, wurde vor etwa 350 Millionen Jahren (erdgeschichtlich im Oberen Devon) durch tektonische Bewegungen inselartig angehoben. Östlich des Gilf Kebir bedeckt Nubischer Sandstein (erdgeschichtlich jüngere Ablagerungen aus der Kreide-Zeit) die nicht angehobenen Schichten aus dem Erdaltertum. (Grafik Dipl.-Geol. Norbert Brügge, siehe auch den Link).
Clayton Craters

1932 erkundete die Clayton-Almásy Expedition das Gilf Kebir und seine Umgebung zum ersten Mal per Flugzeug. Dabei entdeckte Clayton nahezu runde, kraterähnliche Hügel, deren Chrakter nur aus der Luft erkennbar ist. Diese Krater erhielten seinen Namen, sie sind unterschiedlich hoch und weit sowie von unterschiedlichem Durchmesser, der bei mindestens 1 km liegt.

Norbert Brügge schreibt auf seiner (sehr interessanten) Webseite, dass sie durch Magnakammern entstanden, deren Überdruck zunächst Felsrisse füllte und dann die Gesteine anhob, aber nicht zum Vulkanausbruch führte, Details siehe www.b14643.de/Sahara/Clayton_Craters/index.htm.

Im Gegensatz zu den Clayton Craters findet man im Umkreis des Gilf Kebir (und an anderen Stellen der Sahara) sogenannte Pseudo-Impaktkrater. Es handelt sich um konische Vertiefungen, die wie ein Meteoriteneinschlag aussehen. Da die typischen Hinterlassenschaften eines Einschlags fehlen, handelt es sich um Strukturen, die vom Wind geschaffen wurden. Etwa 115 km östlich des Gilf Kebir liegt ein solches Kraterfeld, das bisher als das größte der Erde galt. Es wurde anhand von Satellitenradar-Untersuchungen durch ein französisch-ägyptisches Team entdeckt und 2003 vor Ort untersucht. Nahm man lange an, dass Metoriten eingeschlagen und mindestens 50 Krater geschaffen hätten, so ist man heute der Meinung, dass es um Psuedo-Impaktkrater handelt. Das Gebiet ist etwa 75 x 60 km groß (N 23°10 bis N23°40’ und E26°50’ bis E27°35’) mit Kraterdurchmessern von 20 m bis 1,3 km und Rändern, die sich bis zu 60 m hoch auftürmen.


Gebel Uwaynat

Der Gebirgsblock des Gebel Uwaynat ragt mit immerhin 1898 m Höhe mitten in der Wüstenebene am Dreiländereck Ägypten/Sudan/Libyen auf. An ihm verfangen sich manchmal Regenwolken, die sich von Süden bis hierher verirren. Noch vor 100 Jahren zogen Tebu Beduinen in Täler, die lange Zeit des Jahres begrünt waren. Damals lebten noch Wildschafe (Waddan) und Antilopen in dem Massiv. Heute dürften alle ausgestorben sein.

Aber nicht nur vor 100 Jahren, auch während der Feuchteperioden in prähistorischer Zeit siedelten hier Menschen. In einigen Wadis findet man Felsbilder, entweder mit Sandfarbe gemalt oder mit harten Steinen in den Fels geritzt. Im Wadi Karkur Talh, das im ägyptisch-sudanesischen Grenzbereich liegt, gibt es die meisten Felszeichnungen zu besichtigen.

Auf der anderen Seite der Westlichen Grenze liegen, nicht weit entfernt, die einst von Senussen bewohnte Oase Kufra und der Gebel Arkenu. Dieser ist dem Gebel Uwaynat nicht unähnlich, jedoch deutlich kleiner.
Südöstliche Westliche Wüste

Das etwa 40 qkm große Bassin von Bir Tarfawi (N22°54,96’ E28°52,93’) war in prähistorischer Zeit offensichtlich fruchtbar und mit Regenfällen gesegnet, die sich in Seen - Playas - sammelten. Hier wurden viele Spuren von früher Besiedlung wie Steinwerkzeuge und auch ihre „Herstellungswerkstätten“ gefunden.

Heute gehört das Bassin zu einem groß angelegten Neulandgewinnungsprojekt, das den etwas irreführenden Namen East Uwaynat in ägyptischen Veröffentlichungen trägt. Häufig wird das Gesamtgebiet, das sich bis zur Westlichen Grenze im Westen und zum Sudan im Süden und nördlich bis zum Großen Sandmeer erstreckt, East Uwaynat genannt. Der Hauptort gleichen Namens liegt 50 km südlich von Bir Tarfawi. Schaut man mit Google Earth darauf, so sind viele grüne Kreise der Bewässerungsanlagen zu erkennen.

Ein Stück südwestlich von Bir Tarfawi, mitten im Nichts (N22°11,28’ E27° 56, 97’), ließ der Engländer Beadnell 1928 einen tiefen Brunnen graben, um die von seinem Landsmann Ball aufgestellte Theorie zu beweisen, dass unter der Westlichen Wüste in 70 m Tiefe Grundwasser vorhanden sei. Nach fünf Monaten harter Arbeit stießen die Brunnenbauer tatsächlich bei 67 m Tiefe auf einwandfreies Trinkwasser. Beadnell taufte die Stelle Bir Meshaha. Heute ist der Brunnen versandet.

Während eines Wüstentrips legte der US-Archäologe Fred Wendorf 1973 mit seinem Team eine Pause ein - zufällig inmitten einer Ansammlung von Tonscherben, Pfeilspitzen und anderen Artefakten. Daraufhin untersuchte er bei mehreren Forschungsreisen die Gegend, die er wegen vor Jahrtausenden trockengefallener Seen Nabta Playa nannte.

Während der „grünen“ Perioden der Sahara bildeten sich hier Seen, an denen Menschen lebten und ihre Rinder weideten. Nachweislich war Nabta über etwa 5000 Jahre (mit Unterbrechungen während der Trockenphasen) besiedelt, aber die Hauptepoche lag um 5000-4500 vC. Es wurde z.B. eine Siedlung entdeckt, die aus 18 geradlinig ausgerichteten Häusern bestand. Neben der Herstellung von Steinwerkzeugen wurden auch Tonkrüge gebrannt, die zu den ältesten bekannten in Afrika zählen.

In einer eng begrenzten Region lassen 3 m hohe, in Nord-Südrichtung aufgestellte Steinmonolithe sowie ein sogenannter Kalender-Kreis von 4 m Durchmesser und weitere mysteriöse Steinansammlungen sowie auch Tiergräber auf ein Zeremonialzentrum schließen. Auch die Steinpaare im Kalenderkreis sind teilweise in Nordsüdrichtung justiert ist, ein anderes Paar schien auf den ausgehenden Sirius gerichtet zu sein, was aber durch Satellitenmessungen widerlegt wurde.

Als Nabta Playa endgültig verlassen wurde, vermischten sich die Flüchtlinge vermutlich mit den Niltalbewohnern und brachten ihre handwerklichen Fertigkeiten sowie ihre afrikanische Kultur in die neue Heimat ein, wie verschiedene Parallelen zumindest nahe legen.

Fred Wendorf und Romuald Schild berichten ausführlich in "The Megaliths of Nabta Playa", http://wysinger.homestead.com/10-15_Schild.pdf.

Nabta Playa liegt ca. 200 km westlich von Abu Simbel nahe einem Gebiet, in dem die Ägypter ihr Toshka-Landgewinnungsprojekt vorantreiben. Viele prähistorische Fundstellen fallen den Baggern zum Opfer.
Unterwegs in der Westlichen Wüste

In diesem Kapitel werden ausschließlich Ziele westlich der Oasenstraße Bahariya – Kharga behandelt, da die anderen touristisch relevanten Plätze in ÄGYPTEN INDIVIDUELL im Kapitel Die Westliche Wüste und ihre Osen ausführlich beschrieben sind.

Gefahren

Drei Überfälle in 2008 mit eindeutig kriminellem Hintergrund lenkten die öffentliche Aufmerksamkeit auf Gefahren in der süwestlichen Westlichen Wüste, an die bisher niemand gedacht oder zu denken gewagt hatte.

Inzwischen wurden zwei ständig besetzte Militärcamps südlich des Gilf Kebir eingerichtet, eins davon sehr nahe am Jebel Uweinat (N21 27,6'' E25°17,4'). Außerdem sind seit Herbst 2010 neue Bestimmungen in Kraft getreten, die den Reisenden mehr Schutz gewähren sollen, siehe weiter unten. Dieser Schutz schlägt sich massiv im Reisepreis nieder. Ein Tross von bewaffneten Menschen und deren zusätzliche Fahrzeuge trägt nicht gerade zur Flexibilität bei - die Einsamkeit der Wüste relativiert sich.


Reisevorbereitungen

Offiziell ist das Reisen in der Westlichen Wüste abseits der (in ÄGYPTEN INDIVIDUELL beschriebenen) Oasenstraße nicht erlaubt. Das Prozedere, Bestimmungen und Genehmigungen (Tasrih) sind weiter unten beschrieben.

Ohne Tasrih in dieses Gebiet zu fahren, birgt zumindest das Risiko, als ungebetener Eindringling betrachtet, schlimmstenfalls beschossen, zumindest aber Tage lang festgehalten oder eingesperrt zu werden. Im westlichen Grenzgebiet könnten die Libyer mehr als verärgert reagieren, obwohl auch diese Grenze kaum bewacht ist.

Für nur wenige Touristen wird sich die Frage stellen, ob man sich mit dem eigenen geländegängigen Fahrzeug in die Westliche Wüste wagt, oder ob eine organisierte Tour vorzuziehen ist. In jedem Fall muss der Individualist aus Sicherheitsgründen mindestens ein mitfahrendes Geländefahrzeug finden. Weiterhin muss er für die notwendigen Genehmigungen sorgen und einen Begleitoffizier zu einem Preis von derzeit 100 $ pro Tag an Bord nehmen, d.h. einen Platz im Fahrzeug, eine Unterkunft (Zelt) für die Nacht und entsprechende Verpflegung vorhalten. Bei einer organisierten Reise ist all das im Preis inbegriffen. Derzeit liegt das Preisniveau bei europäischen Veranstaltern für eine 2wöchige Reise zwischen 2000 und 3000 € pro Person. Ägyptische Anbieter sind billiger; siehe Reiseveranstalter.

Für eine Reise in die Westliche Wüste muss man jede Einzelheit planen und sorgfältig vorbereiten. Je nach Jahreszeit trocknet ein Mensch hier so schnell aus, dass er nach acht Stunden ohne Wasser stirbt – und alles Wasser, Sprit sowie Lebensmittel für die gesamte Strecke müssen mitgenommen werden. Mit der Satelliten-Navigation und der Möglichkeit, sich auch in dieser weltvergessenen Gegend per Satelliten-Handy bei den Lieben daheim bemerkbar zu machen, sinkt zwar das Überlebensrisiko, aber diese Hilfsmittel ersetzen nicht eine wohl überlegte Vorbereitung und eine ebensolche Durchführung (siehe ÄGYPTEN INDIVIDUELL,"Tipps für Wüstentripps").

Im Übrigen sollte man zur eigenen Sicherheit darauf bestehen, dass neben dem üblichen GPS-Gerät ein Satellitentelefon für den Notfall an Bord ist. Aber auch der Reisende selbst muss so gesund sein, dass er während der Reisezeit voraussichtlich ohne medizinische Versorgung auskommt; schließlich verlangt ein solcher Trip etwas mehr an körperlichem Einsatz als eine Omnibusreise. Andererseits kann von Strapazen eigentlich keine Rede sein.

Entscheidend für Komfort und Erfolg einer organisierten Reise sind die Fahrzeuge. Fast alle europäischen Veranstalter arbeiten mit ägyptischen Subunternehmern zusammen und müssen sich auf den Fahrzeugzustand ihrer Partner verlassen. Fast zum Standart geworden sind Toyota Landcruiser.
Bahariya hat sich zur ägyptischen Werkstatt älterer Toyota Landcruiser entwickelt. Es sind hauptsächlich die Modelle der achtziger Jahre, die ohne allzu viel Elektronik gebaut wurden und daher zur Not auch unterwegs mit einfacheren Werkzeugen zu reparieren sind.

Die Landschaft kann noch weitgehend als unzerstört und unberührt (für heutige Verhältnisse) gelten, obwohl sie im Zweiten Weltkrieg militärisches Aufmarschgebiet war und der Tourismus seit Beginn dieses Jahrtausends deutlich zugenommen hat. Erstaunlich ist, dass trotz der Einsamkeit die Felsbilder erhalten und weitestgehend unbeschädigt sind. Allerdings wurden an dem von Carlo Bergmann entdeckten Wasserberg mutwillige Zerstörungen festgestellt.

Prähistoriker beschweren sich, dass herumreisende Touristen durch wahlloses Sammeln prähistorischer Objekte wie Steinwerkzeuge, Pfeilspitzen etc. die Fundstätten zerstören und wichtige Rückschlüsse auf die damalige Besiedlung vereiteln. Dazu sagt der bekannte Kölner Prähistoriker, Dr. Rudolf Kuper: “Wenn auch nur ein paar Stein-Artefakte aus einer Fundstelle als Souvenir eingesammelt werden, ist für uns der gesamte Zusammenhang zerstört. Das ist, wie wenn man aus einer mittelalterlichen Urkunde ein Stück herausreißt. Damit ist der ganze Kontext nicht mehr verständlich.”

Achtung: In verschiedenen Gegenden wurden Minen vergraben, zum Teil im Zweiten Weltkrieg, zum Teil von den Ägyptern als Grenzsicherung. Die Letzteren scheinen sichtbar durch Schilder und/oder Stacheldrahtzaun markiert zu sein. 1999 fuhr am Westausgang des Wadi Wasa bei N23°0,17’ E25°51,30’, ein Platz, der in ägyptischen Unterlagen nicht kartiert war, ein deutsches Fahrzeug auf eine Panzermine. Am Gebel Uwaynat ist ein Minenfeld in der Nähe des Karkur Talh bei N22°02,75’ E25°07,86’ markiert, ein weiteres Feld soll bei N22°04,5' E25°02,8’ sein. Auch bei den Wegmarken Peter und Paul sowie bei Seitenwadis des Aqaba Passes und in Passagen im südlichen Gilf Kebir wird immer wieder vor Minen gewarnt, die von den englischen Militärs im Zweiten Weltkrieg gelegt wurden.

Als günstigste Reisezeit gelten Oktober und November, weil es tagsüber nicht mehr zu heiß und nachts noch nicht zu kalt ist. Im Dezember, Januar und Februar wird es ganz schön frisch, die Nachttemperaturen können den Gefrierpunkt erreichen; die „gefühlte“ Temperatur kann deutlich niedriger empfunden werden, weil der Wind alle Wärme davon weht. Ab Mitte Februar/März wird es dann wieder wärmer. Aber im Frühjahr muss man mit Sandstürmen rechnen, die unangenehm sein können.

Die von der Westlichen Wüste erhältlichen Karten gehen z.T. auf die britischen Vermessungen vor und im Zweiten Weltkrieg zurück; die englisch-ägyptischen Karten von 1942 sind sehr zuverlässig. Sehr genaue Karten russischer Herkunft und ebenso kalibrierte Satellitenfotos, mit denen diese Karten hervorragend ergänzt werden können, vertreibt unter anderen der Därr Expeditionsservice in München (www.daerr.de).
Ziele in der südwestlichen Westlichen Wüste

Von Dakhla zum Gebel Uwaynat

Die Oasen der Westlichen Wüste und die Weiße Wüste ziehen mit großem Abstand die meisten Touristen an. Tripps, die von der Oasenstraße nach Westen oder Südwesten führen, gehören schon eher in die Expeditions-Kategorie mit einem Schuss Abenteuer. Aber das Risiko ist kalkulierbar und vermutlich kaum höher als das der Anreise. Neben Autotouren werden übrigens auch Kameltripps angeboten.

In den letzten Jahren hat sich quasi eine Standardroute herausgebildet, die von den meisten Anbietern mit geringfügigen Abweichungen abgearbeitet wird. Wahrscheinlich werden in Kürze die Entdeckungen von Carlo Bergmann in diese Trips einbezogen werden, die sich aber auf die nähere Umgebung von Dakhla konzentrieren.

In der Regel fährt man auf der Asphaltstraße bis zur Oase Dakhla oder legt zuvor noch einen Abstecher zur Höhle Djara und Abu Muharik Düne ein, füllt in Mut noch einmal die Vorräte auf, trifft sich mit dem ofiziellen Begleipersonal und verlässt die Oase auf der von Mut nach Süden führenden Straße, die normalerweise für Touristen gesperrt ist. Bald zweigt man nach Nordwesten in die Wüste ab und steuert Abu Ballas an. Unterwegs lässt sich eine schöne Pause am so genannten Lama Felsen einlegen. Diese auffällige Felskonstellation, die vom ägyptisch-deutschen Reiseunternehmer Samir Lama entdeckt wurde, ist zumindest einen Fotostopp wert.
Gar nicht allzu weit entfernt liegt Regenfeld, das entweder direkt von Dakhla oder von hier aus erreichbar ist. Gerhard Rolfs, der erste europäische Wüstenforscher in der Westlichen Wüste, hatte an dieser Stelle einen der seltenen Regen erlebt und eine kleine Steinpyramide errichtet sowie eine Flasche mit einer Notiz hinterlassen. Aber Kemal el Din, der ägyptische Prinz und Wüstenforscher, tauschte die Botschaft gegen eine eigene aus, viele Nachfahrer haben es ihm leider gleichgetan. Das ist alles.

Der Weiterweg von Regenfeld (etwa 85 km) sollte nach Abu Ballas (N24°26,7’ E27°39.03’) führen, einem auffälligen Zeugenberg in flacher Umgebung. Schon von weitem ist er durch die Steinmännchen (Alamate) auf seiner Spitze deutlich zu erkennen. Hier waren einst Wasserkrüge deponiert, von denen nur noch relativ wenige Scherben am Fuß des Hügels herumliegen. Aus ihnen lässt sich aber immer noch auf die beachtliche Größe der Krüge schließen. Noch Ende der 1990er Jahre sollen komplette Gefäße vorhanden gewesen sein. 1988 wurden sie physikalisch analysiert und auf etwa 3500-4000 Jahre Alter datiert. Ziemlich weit oben am Hügel berichten Felsgravuren aus prähistorischer Zeit.

Nun führt die Route nach Süden, die Profis unter den Fahrern suchen sich möglichst Sand als Unterlage, um Autos und Insassen einigermaßen schonend zu transportieren. Als weit entferntes Endziel wird der Gebel Uwaynat angepeilt. Unterwegs gibt es jedoch einige mehr oder weniger interessante Plätze, an denen man einen Halt einlegen kann.

Als erster Fotostopp bieten sich sogenannte Mud Pans (auch Yardang) an, die auf dem Grund ausgetrockneter Seen, den Playas, entstanden. Der Wind hat die Bodensedimente zu flossenartigen 2-3 m hohen Formen aufgebaut (auch „Mud Fins“ oder "Yardangs" genannt), ein tolles Fotomotiv, z.B. im Wadi Baqqara. Es gibt eine ganze Reihe ausgetrockneter Seen, die sich in der Nähe des nördlichen Wendekreises vom Gilf Kebir bis zum Niltal hinziehen (siehe auch Nabta Playa). Selbst in der Weißen Wüste sind Yardangs entstanden.

Ein weiteres Ziel in dieser Gegend könnte das Pseudo-Impaktkraterfeld sein. Zwischen N 23°10 bis N23°40’ und E26°50’ bis E27°35’gäbe es etwa 50 Krater für den zu besichtigen, der Interesse und Zeit hat.

In südlicher Richtung nähert man sich dem Gilf Kebir (siehe Karte), dessen Südostflanke sich auch - mit Schwierigkeiten - nördlich umfahren lässt. Dann muss man den Aqaba Pass von Norden her angehen. Aber die Süd-Route ist wesentlich einfacher und wird daher bei den meisten Trips vorgezogen.

Hier an der Südostflanke des Gilf Kebir haben sich einige Wadis tief in den Steilabfall eingegraben. Alle locken eigentlich mit sehenswerten landschaftlichen Eindrücken. Das Wadi Mashi, das nördlichste der Serie, schneidet etwa 15 km in Gebirgsstock. Im Wadi Dayyiq, dem schmalen Tal, gibt es einen Felsen aus sehr hartem Gestein, von dem die prähistorischen Vorfahren Werkzeuge wie Messer oder Pfeilspitzen abschlugen und an Ort und Stelle bearbeiteten. Nach Süden folgt das Wadi Maftuh, das Breite Wadi, das durch einen im mittleren Bereich stehenden Inselberg charakterisiert ist.

Das Wadi Bakht - das Nächste in der Reihe - bietet zusätzlich eine prähistorische Besonderheit: Folgt man dem canyonartigen Verlauf, so wird man nach etwa 20 km vom Ausgang (der bei ca. N23°13’ E26°27’ liegt) von einer gut 30 m hohen Düne aufgehalten, hinter der sich einst ein See gebildet hatte. Viele Artefakte aus Stein - hauptsächlich Pfeilspitzen und Werkzeuge - beweisen, dass hier einst Menschen lebten. Die Damm-Düne muss nach heftigen Regenfällen sogar einmal in der Mitte gebrochen sein.

Das Wadi Akhdar zweigt nach Nordwesten vom Wadi Wassa ab. Etwa 40 km von der Einmündung entfernt blockierte ebenfalls eine Sperrdüne einen engen Talabschnitt, hinter der sich Wasser sammelte. Menschliche Spuren reichen bis etwa 8000 vC zurück, wie Forschungen in den 1980er Jahren des Kölner Heinrich-Barth-Instituts ergaben. Um 3000 vC brach infolge eines Murenabgangs der Sperrdamm. Bisher wurden nur wenige Felszeichnungen entdeckt, aber viele Stein- und Keramikartefakte gefunden, die auf verschiedene Besiedlungsphasen schließen lassen.
Eine Landmarke und ein häufig angefahrenes Ziel heißt Eight Bells, ein Militärflugplatz aus dem Zweiten Weltkrieg (N22°46,98’E26°16,20’). Er liegt im gleichnamigen Wadi, das hier einer weiten Sandebene gleicht. Namensgeber sind acht glockenartige Berge in der Nähe. Die Engländer zeichneten für die anfliegenden Piloten einen weithin sichtbaren Richtungspfeil und den Namenszug „8 Bells“ mit sandgefüllten Benzinbehältern in den Boden. Wer ein bisschen gräbt, kann auf leere Konservendosen und Patronenhülsen aus den 1940er Jahren stoßen. Es gibt noch einige Landebahnen mehr in der weiteren Umgebung, die allerdings weniger deutlich in den Sand gezeichnet sind.

An der Südspitze des Gilf Kebir formt das Wadi Wasa eine breite Rinne mit einer ganzen Reihe von Seitentälern und kleineren Inselbergen. Infolge dieser Unübersichtlichkeit kann man sich leicht verirren. Unterwegs zweigt das oben erwähnte Wadi Akhdar ab. Im Wadi Faraqh (auch Firaqh) findet man in der Höhle Magharat el Kantara Felsbilder, u.a. eine Tierherde, aber auch Jäger, die in verschiedenen Farben gemalt sind.

Auf vielen Prospekten wird das Kemal el Din Denkmal als Zwischenstopp angegeben. Almásy hatte 1933 aus Dankbarkeit dem einen Jahr zuvor verstorbenen Wüstenforscher ein Denkmal errichtet. Es handelt sich um eine einfache Steinpyramide, vor der eine Marmorplatte mit arabischer Inschrift versenkt ist, die ursprünglich auf der Spitze des Steinhaufens befestigt war. Der Text lautet "In Erinnerung seiner königlichen Hoheit, Prinz Kemal el Din Hussein, dem großen Forscher der Westlichen Wüste. Dieses Denkmal wurde in Anerkennung seiner großen Verdienste errichtet.“ Ursprünglich hatte Almásy noch eine Dose mit dem Wimpel des ägyptischen Automobilclubs und eine Inschrift hinterlassen - 1998 noch vorhanden, ist heute alles verschwunden.

An dieser Stelle ist praktisch die Südostecke des Gilf Kebir erreicht. In der Regel biegt man nun nach Südwesten ab, um in zügiger Halbtagesfahrt den Gebel Uwaynat zu erreichen. Wer darauf verzichtet, fährt am Rand des Gilf Kebir nach Nordwesten zum Wadi Sura, siehe weiter unten.

Unterwegs lässt sich ein Abstecher zu den Clayton Craters bei N25°22’ E25°24’ und N22°30' E25°54' einlegen, sie weiter oben.

Schon aus weiter Ferne taucht das Gebirgsmassiv des Gebel Uwaynat als dunkler, relativ lang gezogener Schatten am Horizont auf. Er liegt genau im Dreiländereck zwischen Ägypten, Sudan und Libyen. Der 1898 m hohe Gebirgsstock steht Regenwolken im Weg, die sich aus dem subtropischen Afrika nach Norden verirren und sich manchmal an ihm abregnen. Daher bestanden hier bereits in prähistorischer Zeit Siedlungen.
Das bekannteste Wadi ist das Karkur Talh, dessen Mündung im ägyptischen Uwaynat-Teil liegt (N22°1,2’ E25°7,5’), der interessantere Bereich jedoch im Sudan. Nur ein einsames Grenzschild weist daraufhin, dass man ein anderes Land betritt. Es ist eine wunderbare Übung, in diesem überbürokratisierten Teil der Erde ohne jegliche Formalitäten die Grenze überschreiten zu können.

Grüne Akazienbäume markieren den Verlauf des Wadi. Wenn man (sehr seltenes) Glück hat, bedeckt ein grün-bunter Flor den Boden, weil es irgendwo im Gebirge geregnet hatte. Einige Reiseveranstalter schlagen ihre Zelte für zwei Nächte an einer Stelle im Tal auf und lassen die Gäste das Wadi zu Fuß erkunden. Das mag im Winter bei geringen Temperaturen erwärmend sein, aber die Entfernung zur interessanten, mit Felsbildern bedeckten Strecke beträgt etwa 10 km in einer Richtung, für das südöstliche Seitenwadi kommen noch 4 km hinzu.

Das Karkur Talh bietet tatsächlich für einen ganzen langen Tag immer wieder neue Felskunststellen mit Bildern unterschiedlichster Art. Diese sind in keinem Fall in Höhlen versteckt, wie man häufig nachlesen kann, sondern an Felswände oder –überhänge gemalt oder eingeritzt. Man benötigt also keine Taschenlampe, aber eine Kamera mit großem Speicher.

Es würde zu weit führen, hier jeden einzelnen Platz zu beschreiben. Die Bilder findet man praktisch ausschließlich an der Südseite des Wadi und im südöstlichen Seitenwadi. Die Führer wissen in der Regel, wo sie zu sehen sind. Hin und wieder muss man sich auf den Rücken legen, um die Darstellungen betrachten zu können.

Es ist ganz erstaunlich, was die Menschen der Steinzeit an diesen Wänden zum Ausdruck brachten. Überwiegend machten sie Tiere zum Thema. Da gibt es Giraffen, manchmal ganze Herden, die auf der Flucht sind, an anderer Stelle Tiere mit der typischen Fell-Zeichnung. Aber auch Strauße, Antilopen, Gazellen müssen am Uwaynat gelebt haben, damit sie hier festgehalten werden konnten. Überraschend sind die vielen Rinder, auch sie wieder mit Details, z.B. mit weißen Flecken auf dem Bauch. Bilder von Menschen bleiben in der Minderzahl, im Gegensatz zum Gilf Kebir. Mal scheint jemand eine Lanze und ein Schild zu tragen, an einem anderen Felsen tanzen ein paar Strichfiguren.

An zumindest einer Stelle (im südöstlichen Seitenwadi) blieben auf einem waagerechten Felsen kleine Vertiefungen erhalten, die offensichtlich als Farbschalen dienten. Denn die Maler stellten ihre Farbe durch Zerreiben von ockerfarbigem Sandstein vermutlich auf diesem Felsen her. Die „Felsritzer“ hatten es einfacher, sie verwendeten für ihre Zeichnungen harte, entsprechend zugespitzte Steine.

Die anderen sehenswerten Täler des Gebel Uwaynat liegen wesentlich tiefer im sudanesischen Gebiet und werden in der Regel nicht angefahren. Wer jedoch alle Bilder sehen will, für den findet sich bestimmt ein Weg.
Vom Uwaynat zum Gilf Kebir

Der Gebel Uwaynat ist der Wendepunkt einer Reise in die Westliche Wüste, von hier aus geht es wieder nach Norden. Früher führte der Weg zwischen den Zwillingsbergen Peter und Paul, die eine gute Landmarke abgeben, hindurch. Aber seit langem ist diese Durchfahrt vermint, und man schlägt einen entsprechenden Sicherheitsbogen um die beiden Brüder.

Ein gutes Zwischenziel auf dem Weg zum Südwestrand des Gilf Kebir ist das weithin sichtbare Felsmassiv Three Castles (N23°25,6’ E25°25,07’). Zwischen diesen drei Burgen suchte das englische Militär Schutz. Auch heute findet man sogar noch in der Mittagssonne ein schattiges Rastplätzchen. Zuvor wird nahezu traditionell an einem Lkw-Wrack aus dem Zweiten Weltkrieg der britischen Long Desert Range Group Halt gemacht (N23°5,50’ E25°39,48’).

Die Drei Burgen liegen schon dem Südwestrand des Gilf Kebir recht nahe. Von hier aus hat man noch etwa 25 km zurückzulegen, um den bekanntesten Platz des Gilf Kebir zu erreichen: das Wadi Sura, das Tal der Bilder (N23°35,88’ E25°13,72’). Das vergleichsweise kurze Wadi ist eher ein Einschnitt in die hier 300 m steil ansteigenden Gebirgswände, in denen Clayton 1931 auf ein Giraffen-Felsbild gestoßen war. Almásy entdeckte 1933 die „Höhle der Schwimmer". Allerdings handelt es sich nur um einen gewölbten Felsüberhang, in dessen linker Hälfte die Malereien zu finden sind. Die berühmten Schwimmer sind kaum Handteller groß, wirken aber dynamisch und eigentlich rührend in ihren strampelnden Bewegungen. Diesen zarten Gestalten stehen athletische, meist sich irgendwie bewegende Figuren und ein paar wenige Tiere quasi gegenüber. Auf den ersten Blick ergibt sich ein etwas verwirrendes Bildmosaik, das genaues Hinschauen verlangt, um die unterschiedlichen Darstellungen zu enträtseln. Sie stammen offensichtlich aus verschiedenen Zeiten, die ockerfarbenen Bilder sind die jüngsten.
Ein paar Schritte rechts hat sich ein ähnlicher Felsüberhang mit allerdings nur wenigen Darstellungen gebildet, die vom zerbröselnden Stein schon arg beschädigt sind. Man erkennt bewaffnete Männer und Frauen (mit ausgeprägten Hüften), in einem Bild trinkt ein Mann aus dem Euter einer Kuh, deren Kalb er verdrängt.

Fährt man am Rand des Gilf Kebir weiter in westlicher Richtung, so finden sich in den zerklüfteten Abhängen eine ganze Reihe von Felsbild-„Höhlen“ unterschiedlicher Art. Bei Ortskenntnis kann man an einem etwas versteckten ehemaligen Lagerplatz von Almásy eine schattige Rast einlegen; den Abfall von damals scheinen Besucher schon als Devotionalien zu interpretieren, er wird immer weniger.

Ca. 15 km vom Wadi Sura entfernt entdeckten 2002 der Ägypter Mestekawi und der Italiener Foggini einen Felsüberhang, der zwar nach ihnen Mestekawi-Foggini Cave benannt wurde, aber unter den Wüstenfahrern als New Cave gehandelt wird. Diese neue Höhle stellt das Wadi Sura weit in den Schatten, sie zählt von der Anzahl der Malereien und ihren Aussagen zu den wichtigsten der Ostsahara. Im Herbst 2011 wurde vom Kölner Heinrich Barth Institut Sand aus der Höhle entfernt, so dass nun zusätzlich 1,5 Höhenmeter Höhlenwand mit neuen Darstellungen zu sehen sind.

Ein Gewimmel von vielen 100 Einzelbildern überwältigt den Besucher, man schaut und staunt und kann sich kaum losreißen von dem „Meer in ocker“. Denn die allermeisten Bilder wurden mit ocker-roter Farbe gemalt. Einige wenige sind geritzt, zum Beispiel ein Straußenkörper, dessen Kopf und Beine aber farbig dargestellt wurden. Auffallend sind verschiedene löwenartige Tiere auf der Flucht, auch ein paar Rinder, vielleicht ein Esel, aber insgesamt wenige Exemplare aus dem Tierreich.

Hingegen wimmelt es von Menschen, die sich zu unterhalten scheinen, manche gehen, andere rennen oder scheinen zu schwimmen. Ungewöhnlich ist schon fast ein Meer von Handumrissen, die sich über einen Wandbereich hinziehen und offenbar durch Anspritzen von Händen erzeugt wurden. An einer anderen Stelle sticht ein lang gezogenes rotes Oval mit weißem Rand ins Auge. Es könnte ein See sein - schließlich brauchten die Schwimmer im Wadi Sura ja auch Wasser.

Wer nicht oder nicht mehr auf das Plateau des Gilf Kebir hinauffahren will, kann es von hier aus in westlicher Richtung umfahren, gerät dabei aber auf Libysches Staatsgebiet (E25° ist hier die Grenzlinie). Das kann zu Komplikationen führen, kommt aber selten vor.
Hat man die Höhe erklommen, so bleibt man für eine gute Weile im Dünengelände und kommt erst später auf die typische flache und steinige Oberfläche (Serir) des Gilf Kebir. Man kann hier einen Abstecher an den Südrand einlegen, der üblicherweise an einem Gedenkstein für Samir Lama endet (N23°30,82’ E25°36,77’), einem der Pioniere des Wüstentourismus. Von diesem herrlichen Aussichtsplatz schweift der Blick über die steilen Flanken des Gilf Kebir und weit hinaus in die Wüste.

Nun gilt es, vom Gilf Kebir wieder hinunter zu kommen. Das geht etwas leichter und an mehreren Stellen, zum Beispiel ins Wadi Ab el Malik hinab oder durch das Wadi Hamra - das rote Wadi - nach Norden. Dies ist schon wegen seiner roten Sandverwehungen auf schwarzen Hängen eine der attraktiveren Abfahrten. Außerdem bietet das mit Akazien bestandene Tal (N23°45,1’ E25°36,7’) an mindestens drei Stellen interessante Felsbilder. Eine Bildergruppe liegt ziemlich weit oben im Tal und ist sehr schwer zu finden. Bei der Zweiten etwa im mittleren Bereich sind höchstwahrscheinlich drei Rhinozerosse dargestellt, ein ungewöhnliches Bild in der östlichen Sahara, das jedenfalls auf viel Wasser schließen lässt. Für die dritte Gruppe muss man ein Stück talauswärts fahren und in ein kurzes Seitenwadi abbiegen. Schließlich öffnet sich das Wadi Hamra nach Norden in Richtung Großes Sandmeer.

Eine Alternative für die Abfahrt vom Gilf Kebir ist das etwa 50 km lange Wadi Abd el Malik. Der Lama-Monod Pass führt hinunter in das stark zerklüftete Tal mit diversen Seitenwadis. An mindestens drei Stellen wurde Felskunst gefunden. Der Ausgang des Wadi liegt kurz vor der Westlichen Grenze.
Durch das Große Sandmeer nach Norden

Der übliche Weg vom Gilf Kebir nach Norden führt zunächst am Westrand des Großen Sandmeers entlang bis zum Silica Valley. Hier gibt es auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche sehr ungewöhnliche Glasbrocken, die nach bisherigen Kenntnissen einmalig auf der Erde und für deren Entstehung mehrere Theorien im Umlauf sind. Immerhin schmückt ein solches Silica-Glas das Zentrum des Pektorals von Pharao Tutanchamun.

Der Fundort ist auf ein von Dünen durchzogenes Gebiet beschränkt, das sich etwa 50 km von Nord nach Süd und 20 km von West nach Ost um den Mittelpunkt bei N25°25' E25°30'erstreckt. Die in fahlem Gelb bis Grün schimmernden Glasstücke liegen verstreut am Boden, die meisten sind wenige Zentimeter lang und wiegen kaum mehr als 50 g. Berichtet wird aber auch von 25 kg schweren Brocken.

Vielen Reiseprospekten kann man zumindest indirekt entnehmen, dass diese seltenen Gläser quasi zum Mitnehmen herumliegen. Wenn jeder der mehr und mehr anreisenden Touristen ein paar Stücke einsteckt, dann findet wahrscheinlich schon die Kindergeneration kein Einziges mehr – was ist mit künftigen Generationen?
Irgendwann wird man beginnen müssen, die Dünenzüge des Großen Sandmeers zu überqueren. Das ist spannend, denn man muss mit sehr viel Schwung die Düne hinauffahren, oben im letzten oder vorletzten Moment anhalten, die Abfahrt anpeilen, um dann in sehr steilem Winkel auf einem "Sandbrett“ hinunter zu gleiten und im rechten Moment Gas geben, um unten nicht stecken zu bleiben.

Man reist wirklich auf einem Meer von Sand, umgeben von goldgelb schimmernden, fast wogenden Sandwellen, die einladend und freundlich scheinen und immer wieder neue, sehr grafische und ebenso schöne Bilder auftürmen. Man lässt sich von dieser freundlichen Stimmung in Träume verführen, die noch zu Hause weitergeträumt werden. Eine faszinierende Landschaft in unendlicher Einsamkeit. Und die Nächte, sie scheinen noch stiller zu sein als in den Landschaften zuvor, die Himmelsschale noch näher, noch klarer, sodass man jeden einzelnen Stern meint herunterholen zu können.

Eigentlich sollte man hier, mitten im sogenannten Nowhere, ein paar Tage Rast einlegen, um mehr zu sich selbst zu finden, Ruhe und Stille auszuloten.

Als Ende der Wüstenrundfahrt werden unterschiedliche Ankunftsorte angepeilt. Es könnte ganz im Norden die Oase Siwa oder ein beliebiger Punkt der Oasen-Asphaltstraße sein, zum Beispiel die kleine Oase Abu Minqar oder Farafra oder als nordwestlichster Punkt Ain Della. Diese Minioase schiebt sich am weitesten nach Westen ins Große Sandmeer, sie ist fest in militärischer Hand und nicht weiter bewohnt. Ihre Quelle war stets ein Stützpunkt auf dem Weg nach oder vom Westen, einerlei ob für Räuber, Schmuggler oder Krieger.

Die Ankunft an dieser Stelle hat den Vorteil, dass man auf dem Weg zur Asphalt-Oasenstraße die westliche Weiße Wüste besuchen kann. Obwohl dieses Gebiet quasi organisch zum östlich der Oasenstraße gelegenen Teil der Weißen Wüste gehört, darf man es ohne militärische Begleitung nicht besuchen. Und diese muss in Kairo möglichst vier Wochen vor Fahrtbeginn beantragt werden, bei einer Rundreise kann sie mit eingeschlossen werden.
Bestimmungen für Touren in die Westliche Wüste (Stand Herbst 2010)

Immer mehr Reiseveranstalter erkannten, dass sich auch in der Westlichen Wüste Geld verdienen lässt. Die Anzahl der Anbieter stieg von Jahr zu Jahr. 2010 gab es innerhalb der zuständigen ägyptischen Behörden – und das sind nicht wenige – viele Diskussionen über die Sicherheit der Touristen. Über das Ergebnis kann man als Tourist trefflich streiten, muss aber damit zurechtkommen.

Für die Sicherheit der Touristen in der Westlichen Wüste ist seit September 2010 die Tourist Police mit einer eigenen Abteilung für Sahara Safaris zuständig. Die für eine Wüstenfahrt notwendige Genehmigung kann nur durch eine zugelassene Travel Agency *) beschafft werden. Beim Gebiet westlich der Oasenstraße handelt es sich militärisch um das Grenzgebiet zu Libyen, das grundsätzlich nur mit einem Passierschein des Militärs betreten werden darf. Bei allen Fahrten in diesem Bereich ist eine militärische Begleitperson mitzunehmen.

Das Gesamtgebiet ist in drei Zonen unterteilt:

Östlich der Oasenstraße 
Es sind keine Bewilligungen mehr nötig, alle Gebiete sind völlig frei zugänglich, im Naturpark Weiße Wüste wird in letzter Zeit kein Eintritt kassiert – es sind keine Ranger mehr da.

Westlich der Oasenstraße, zwischen dem 23 und 27. Breitengrad
Das Militär (Grenzschutz) in Bahariya stellt für Tagestouren nach Siwa eine Tagesgenehmigung (Tasrih) aus, ein begleitender Militär (der nicht immer mitkommt) und ein Satellitentelefon sind vorgeschrieben. Sind unterwegs Übernachtungen vorgesehen, muss von einer zugelassenen Travel Agency mindestens 4 Wochen vor Reiseantritt ein entsprechender Antrag gestellt werden. Zusätzlich muss ein Auto mit Polizeibegleitung (1 Offizier und 3 Polizisten) mitgenommen und auch bezahlt werden.

Gebühren: Bei Gruppen bis max. 12 Personen 1.700,- LE pro Tag, darüber 2.700,- LE pro Tag; die Reisebüros kassieren in Fremdwährung.

Westlich der Oasenstraße, südlich des 23. Breitengrades 
Hier sind zusätzlich zum militärischen Begleitoffizier pro 12 Reisende jeweils 2 Begleitfahrzeuge mit einem Polizei-Offizier und 3 Polizisten zu Kosten von LE 2700/Tag obligatorisch.


Veranstalter

*) Uns bekannte, von den Behörden lizensierte Travel Agencies, (von denen die meisten derzeit keine Touren zum Gilf Kebir im regulären Programm zu haben scheinen, aber vermutlich auf Anfrage Tripps arrangieren):

Darüber hinaus bieten lokale Veranstalter ohne Lizens sowohl in Bawitit als auch Farafra Touren hauptsächlich in den Ostteil der Westlichen Wüste an.
Internetlinks
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