Reise Know-How Verlag Tondok
Reiseführer für Ägypten, Jordanien, Israel und Ostdeutschland

VW-Bus 03

Im VW-Bus um die Erde im Web

"Nachdruck" der sechsten, vergriffenen Auflage (1989)
Kapitel 3 Persönliche Vorbereitungen
3.1 Gesundheit

Es gibt keine Frage: stabile Gesundheit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen Ihrer Reise. Lassen Sie sich rechtzeitig generaluntersuchen, damit Ihnen der Arzt eine Prognose geben kann, ob Sie den künftigen Strapazen gewachsen sein werden oder, bei irgendwelchen Bedenken, wie Sie sich unterwegs verhalten sollen.

Wenn Sie noch stolzer Besitzer von Blinddarm oder Mandeln sind, so sollten Sie ganz ernsthaft daran denken, beide Teile in Deutschland zurückzulassen. Ein Blinddarm kann unterwegs leichter gereizt werden (schon verschiedene Globetrotter mußten deswegen ins Krankenhaus), Mandeln mögen Klimawechsel oder ähnliches übelnehmen (erfüllen aber andererseits auch eine gewisse Schutzfunktion). Und außerdem: wenn Sie sich hier ins Krankenhaus begeben, werden Sie mehrere Wochen Ruhe für theoretische Reisevorbereitungen gewinnen.

Lassen Sie auch Ihre Zähne gründlichst durchchecken, wir mußten leider Zahnarztstühle auf jedem Kontinent drücken, eine Erfahrung, auf die wir gern verzichtet hätten. Nehmen Sie an einem Erste-Hilfe-Kurs teil. Beugen Sie möglichen gesundheitlichen Gefahren bereits hier durch die auch in Deutschland angeratenen Schutzimpfungen gegen Tetanus, Kinderlähmung und Tuberkulose vor. Unterwegs werden Sie sich gegen folgende Infektionskrankheiten zusätzlich zu schützen haben: Malaria, Cholera, Gelbfieber, Thyphus und Hepatitis (Gelbsucht).

Informieren Sie sich aktuell durch Publikationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die u.a. eine Broschüre über Impfvorschriften, Malariavorkommen etc publiziert, die im Buchhandel unter ISBN 92 89 0702 85 zu bekommen ist. Im Folgenden noch ein paar pauschale Angaben.

Die Malaria- Infektionsgefahr ist abhängig von der Jahreszeit, d.h. wann die Anopheles-Mücke aktiv ist, und dies ist in tropischen Regionen ganzjährig der Fall. Die Erreger sind z.T. gegen das Standardmittel, das bei uns als Reoschin verkauft wird, resistent. Laut WHO ist Resochin nicht mehr in Ostafrika, dem Amazonasgebiet und den Ländern Burma, Thailand, Phillippinen und Indonesien wirksam, bei malariaverdächtigen Erkrankungen das neuere Mittel Lariam nehmen. Malariafrei sind Taiwan, Hongkong, Sinagapore, Australien und Neuseeland.

Impfungen gegen Cholera werden von der WHO nicht mehr empfohlen; lediglich Indien und Pakistan verlangen bei der Einreise aus Nachbarländern - nicht aus Europa etc - Impfzertifikate. - Eine Gelbfieber-Impfung, die sehr guten Schutz bietet, ist für Südamerika und Panama, West-, Zentral- und Ostafrika nicht nur obligatorisch, sondern auch sehr anempfohlen

Typhus kommt in Gegenden mit schlechten hygienischen Bedingungen vor, man schützt sich in erster Linie durch eigenes, hygienisch einwandfreies Verhalten, in zweiter Linie durch eine Schluckimpfung. - Hepatitis zählt zu den Krankheiten, die wir unterwegs am meisten gefürchtet haben, weil sie stark verbreitet ist und weil man sich nur schwer dagegen schützen konnte. Obwohl immer wieder von Schutzimpfungen berichtet wird, ist uns bisher kein Mittel aus der täglichen Anwendung bekannt. Lediglich Gammaglobulin ist anzuraten, das aber nicht spezifisch gegen Hepatitis wirksam ist, sondern die Abwehrkräfte des Körpers generell für ca drei Monate verbessert.

Sicherlich können Sie durch Hygiene und Sauberkeit sehr viel erreichen, was generell als Vorbeugemaßnahme gilt. Leute, die meinen, daß die Einheimischen trotz Dreck überleben, vergessen, daß sie immer nur die Lebendigen sehen; unsere um 20 - 30 Jahre höhere Lebenserwartung kommt nicht von ungefähr.

3.2 Notwendige Sprachen

Mutige Leute schlagen sich mit plattdeutscher oder bayerischer Mundart durch die Welt. Wir wunderten uns über einen älteren Bauern aus Westfalen, der ohne alle Englischkenntnisse nach Indien fuhr und sein Auto nach Malaysia und wieder zurück verschiffte; eine Prozedur, die mit soviel Papierkrieg und Feilschen mit Schiffsagenten verbunden ist, daß man schier verzweifeln könnte. Aber es geht offenbar auch als sprachlich "Taubstummer". Wahrscheinlich trifft man immer wieder Deutsche oder deutsch sprechende Leute, die einem weiterhelfen.

Englische Sprachkenntnisse sind ungeheuer nützlich. Englisch ist Weltsprache, man kann sich praktisch überall damit durchschlagen. In ganz Lateinamerika haben natürlich Spanischkenntnisse große Vorteile, die insofern noch wertvoller zu veranschlagen sind, als man sich dann auch mit einfachen Leuten unterhalten kann. Während man in Ländern wie z.B. Indien immer nur mit Leuten spricht, die ein Mindestmaß an Schulbildung erwischt haben. In verschiedenen afrikanischen Ländern ist französisch von Vorteil.

Mangelnde Sprachkenntnisse sollten kein Hinderungssgrund für eine lange Reise sein. Man kann unmöglich jede Landessprache lernen, um sich mit den Bewohnern in der Muttersprache unterhalten zu können. In Indien allein gibt es mehrere 100 Sprachen und Dialekte.

Die Probleme häufen sich, wenn zu einer fremden Sprache auch noch eine völlig fremde Schrift kommt. Extremes Beispiel dafür ist Japan. Zur (für uns) unlesbaren Schrift kommt, daß die Japaner ungern englisch sprechen, europäische Sprachen sind Zungenbrecher für sie. Im Zweifel schreiben sie lieber, wie sich bei unserem Krankenhausaufenthalt in Hiroshima herausstellte: Die Oberschwester, die nicht ein einziges Wort englisch mündlich herausgebracht hatte, schrieb später ihre Anweisungen in fließendem Englisch.

Man kommt in solchen Ländern ganz schön in Verlegenheit, weil man kein Straßenschild, keine Zugbezeichnung oder keinen Fahrplan lesen kann. Es grenzt manchmal an Detektivarbeit, einen bestimmten Weg oder die Straße zu einer bestimmten Stadt zu finden. Man sollte sich davon nicht gleich negativ beeinflussen lassen. Es liegt zweifellos ein gewisser Reiz darin, sich dennoch in einer unbekannten Stadt zurechtzufinden - auch wenn diese Stadt wie im indisch-pakistanischen Krieg komplett verdunkelt ist und man sich ohne Autoscheinwerfer in der Dunkelheit bis zum Resthouse im Zentrum buchstäblich vorwärts tasten muß.

Vor einer Überraschung sieht sich der Autofahrer an Tankstellen einiger arabischer Länder gestellt: das Zählwerk der Zapfsäulen ist nur in arabischen Ziffern beschriftet. Die Kenntnis dieser Ziffern kann viel Geld sparen helfen, weil mancher Tankwart Ihre Unkenntnis zu seinen Gunsten zu nutzen versteht.

In vielen Kulturkreisen gehört es zur selbstverständlichen Höflichkeit, Fragen irgendwie zu beantworten, selbst wenn die Antwort falsch sein mag. Dort hilft nur, immer mehrere Leute nach dem Weg zu fragen und aus den unterschiedlichen Antworten eine Mehrzahl für eine Richtung herauszufiltern. Es empfiehlt sich auch, Namen oder Bezeichnungen beim Fragen in den unterschiedlichsten Betonungen zu wiederholen, damit der Mann am Straßenrand versteht, welchen Ort man meint.

3.3 Reise-Alter

Wir sind zu alt für solche Reisen - das ist ein oft verwendetes Argument; häufig eine Ausrede, um den Wunsch nicht in die Tat umsetzen zu müssen. Andere stellen es mit aufrichtigem Bedauern fest.

Die ältesten Reisekollegen trafen wir in Afghanistan: der "Opa" hatte bereits den ersten Schlaganfall hinter sich, er war 85! Die Gattin saß am Steuer und meisterte mit ihren 75 Jahren das orientalische Verkehrschaos hervorragend. Aber die beiden waren geübt, es war bereits die zweite Indienreise innerhalb von drei Jahren.

Man ist nicht zu alt für eine lange Reise. Man ist höchstens zu krank. Nach unseren Beobachtungen nimmt der Anteil älterer Reisender immer mehr zu. Es hat sich herumgesprochen, daß man die Pension auch in Nepal oder in Peru genießen kann.

Wenn ältere Leute, denen der Arzt eine Art "Tropentauglichkeit" bescheinigt, ein paar Regeln ganz strikt beachten, dann kann im Grunde gar nichts schief gehen:

Nur während der klimatisch günstigen Zeiten reisen, z.B. nur im Winter nach Indien fahren; immer weit unterhalb der "Vollast- Grenze" bleiben, d.h. geruhsam mit kurzen Tagesetappen reisen; keine unnötigen Gesundheitsrisiken eingehen; nur entkeimtes Wasser trinken und verwenden; entweder in first-class Restaurants oder im eignen Wagen essen; rohes, ungeschältes Obst und Salate total vermeiden; beim Aufstieg in große Höhen (Himalaya, Zentralandengebiet) über Tage hin akklimatisieren.

3.4 Kinder als Globetrotter

Die Frage "WAS TUN MIT KINDERN" taucht immer wieder auf. Die Antwort geben eine ganze Reihe Eltern, die mit Kindern im relativ engen VW-Bus z.B. durch Asien reisen.

Nicht schulpflichtige Kinder mit auf Reisen zu nehmen, hat für die Nachkommen verschiedene Vorteile: sie erfahren direkt und persönlich, daß es anders aussehende Menschen gibt; Vorurteile werden abgebaut oder kommen gar nicht erst auf; sie sehen, daß es andere Möglichkeiten zu leben gibt; sie werden aus eignem Erleben auf die soziale Wirklichkeit der Dritten Welt aufmerksam; sie sind stets mit den Eltern zusammen, was zu wesentlich innigeren menschlichen Bindungen innerhalb der Familie führen kann; Kinder kommen mit mehr Schmutz und Unhygiene in Berührung, sie werden (allerdings unter Schmerzen) mehr Abwehrstoffe entwickeln.

Aus dem letztgenannten gehen auch die Nachteile hervor: das wesentlich größere gesundheitliche Risiko, das bei schweren Erkrankungen durchaus zum Abbruch der Reise führen kann; die anders gelagerten Interessen der Kinder, die zumeist andere Dinge lieber tun als Museen oder historische Bauwerke zu besichtigen.

Die Entscheidung mit Kindern zu reisen, sollte nicht leichtfertig gefällt werden. Nach Gesprächen mit vielen Eltern haben wir den Eindruck, daß zumeist das gemeinsame Erlebnis sehr positiv bewertet wurde. Bei schulpflichtigen Kindern sind natürlich eine ganze Reihe zusätzlicher Probleme zu berücksichtigen. Verschiedene Eltern gaben ihren Kindern täglich Unterricht. Aber dazu gehört eine große Portion eiserner Energie auf beiden Seiten.

3.5 Reisepartner

Wenn Sie allein verreisen, können Sie sich nur mit sich selbst zanken. Sie können sich aber auch nur allein über ein schönes Erlebnis freuen. Finden Sie hingegen den idealen Partner, so finden Sie Teilnahme in Freud und Leid. Es ist jedoch schwer genug, schon einen einzigen idealen Reisefreund zu treffen. Hoffen Sie daher nicht, gleich eine ganze Gruppe aufzustöbern. Wir haben kein einziges Reiseteam erlebt, das länger als ein halbes Jahr zusammengehalten hätte. Wir glauben nicht, daß der Ärger und Haß, der z.B. in einer Vierergemeinschaft entsteht, das eingesparte Benzingeld wert ist. Sie werden unterwegs immer wieder Gesinnungsgenossen treffen, mit denen Sie eine Weile zusammenreisen können. Das ist völlig unkompliziert, viel interessanter und bei Ärger ganz einfach zu lösen: man fährt seine eigenen Wege.

Die Kriterien, nach denen Sie einen Partner aussuchen, müssen Sie selbst bestimmen. Lassen Sie sich nicht vom Argument der kräftigen Muskeln (zum Autoschieben) verleiten; jede Frau ist den gar nicht so hohen Strapazen einer solchen Reise gewachsen.

Viel wichtiger als die kräftigen Muskeln ist die Fähigkeit, den psychischen Strapazen begegnen zu können: Das lange Zusammenleben auf engstem Raum, klimatisch bedingte Reizbarkeit, Bestehen gefährlicher Situationen etc. Es kommt unterwegs viel mehr als zu Hause darauf an, in wirklicher Gemeinschaft miteinander zu leben und zu überleben. Eine wichtige Voraussetzung ist natürlich, daß auch der Partner möglichst kerngesund und den rein physischen Strapazen problemlos gewachsen ist.

Wenn Sie trotzdem in einer Gruppe reisen wollen, dann gehen Sie davon aus, daß unterwegs ganz andere Kriterien gelten als hier. Freundschaften, die zu Hause nur selten bis an die Grenzbelastbarkeit ausgereizt wurden, offenbaren unterwegs plötzlich das schwache Fundament. Suchen Sie daher die Gruppe frühzeitig aus und versuchen Sie, durch irgendwelche Testunternehmungen die Tauglichkeit herauszufinden (z.B. gemeinsame Urlaubsreise, Wanderungen etc). Die Teilnehmerzahl sollte geradzahlig sein, weil dann nicht so leicht überstimmbare Minderheiten entstehen.

Zur Frage der gemeinsamen Kasse ein Verfahren, das sich in einer Gruppe gut bewährte: Für alle gemeinsam zu tragenden Kosten (die vor Reiseantritt genau festgelegt werden sollten) werden jeweils gleiche Beträge in DM (z.B. DM pro Partner) in die Kasse eingezahlt und diese Beträge verbraucht. Bei leerer Kasse schießt jeder wiederum 50 DM nach etc. Damit entfällt das lästige Umrechnen, wer wieviel in welcher Währung zu zahlen hat.

3.6 Hunde als Mitreisende

Vielleicht denken Sie daran, Ihren Hund als Beschützer mit auf die Reise zu nehmen. Oder Sie mögen sich aus lauter Liebe nicht von dem Tier trennen und gönnen ihm eine Weltreise. In beiden Fällen gilt, daß der Hund das Reisen und vor allem die Strapazen (Hitze) vertragen muß. Vergessen Sie nicht, daß der Hund relativ viel vom wenigen Platz im Camper wegnimmt und daß Ernährungsprobleme auftreten können.

In vielen Ländern gelten Hunde als unrein (z.B. bei Muselmanen), Kinder und auch Erwachsene bewerfen sie mit Steinen. Diese Leute finden es höchst belustigend, einen im Auto zurückgebliebenen Hund bis zur Weißglut zu ärgern; sie finden es sehr komisch, wenn jemand einen Hund an der Leine spazierenführt.

Wer es trotzdem wagen will: nicht immer kümmern sich in außereuropäischen Ländern Grenzbeamte so intensiv um Hunde wie auf unserem Kontinent,doch sollte der vierbeinige Freund - nicht nur im Interesse des Besitzers - unbedingt alle nötigen Impfungen haben und diese auch auf internationalen Dokumenten nachweisen können.

Wer seinen Hund mit nach Australien nehmen will, muß ihn bei der Ankunft für 6 Monate in Quarantäne geben. Panama verbietet die Einfuhr von Hunden total; man muß die Tiere von Costa Rica über Panama hinweg nach Kolumbien (oder umgekehrt) fliegen lassen.

In vielen Ländern haben selbst die Hunde erkannt, daß man von Touristen gut leben kann. Sobald man dem armen Köter den ersten Brocken zugeworfen hat, weicht er dem Spender nicht mehr von der Seite. Dieser Hund verteidigt dann sein neues Revier, aber nur gegen andere Hunde und das mit viel Lautstärke - die besonders nachts die Tierliebe überdenken läßt.

Viele Leute verlieren trotzdem irgendwann ihr Herz und nehmen einen solchen Hund unterwegs mit. Man sollte sich aber vor Augen halten, daß fast alle streunenden Hunde krank sind (z.B. Wurmkrankheiten) und daß sie - wie der eigene Hund auch - unterwegs Krankheiten auflesen können, die ein zusätzliches Gesundheitsrisiko für den Globetrotter selbst darstellen. Dies läßt sich jedoch verringern, wenn man das Tier bei einem Veterinär behandeln, bzw. impfen läßt; (Tierarzt-Adressen bekommt man bei deutschen Auslandsvertretungen, deren Angehörige häufig selbst Haustiere halten).
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