Reise Know-How Verlag Tondok
Reiseführer für Ägypten, Jordanien, Israel und Ostdeutschland

VW-Bus 04

Im VW-Bus um die Erde im Web

"Nachdruck" der sechsten, vergriffenen Auflage (1989)
Kapitel 4 Bürokratische Vorbereitungen
4.1 Persönliche Reise-Dokumente

Der Vollständigkeit halber soll hier noch einmal aufgezählt werden, welche Dokumente nötig sind:

Ein Reisepass, der möglichst leer (bei uns füllten sich 3 Reisepässe!), mit aktuellem Foto versehen und noch viele Jahre gültig sein sollte.
Ein Internationaler Impfpaß, in dem alle vorgeschriebenen Impfungen eingetragen sein müssen (siehe Kap.3.1).
Ein Internationaler Führerschein (3 Jahre gültig).
Gute Dienste leistet ein Studentenausweis (selbst wenn er abgelaufen ist).
Ein Personalausweis, der unterwegs praktisch nutzlos ist, aber immerhin als Notausweis dienen kann und bei der Rückreise dem deutschen Zöllner nicht verrät, wo man herkommt.
Auch als Deutscher braucht man heutzutage für immer mehr Länder ein Visum. Die Beantragung ist zumeist mit Bürokratie, Wartezeiten und anderem Ärger verbunden. Grundsätzlich muß man beachten, daß die meisten Visa 6 Monate nach Ausstellung ungültig werden. Wenn Sie erst später in einem visapflichtigen Land eintreffen werden, so müssen Sie sich den begehrten Stempel unterwegs z.B. im Nachbarland an der Botschaft des Ziellandes holen.

Bei verschiedenen afrikanischen Ländern ist auch das mit Schwierigkeiten verbunden; dann hilft alles nichts, entweder verzichten Sie auf das freundliche Land oder Sie fahren schnell genug, damit Sie vor Ablauf des Visums an der Grenze ankommen.

Wenn Sie in Israel oder Südafrika waren, werden Ihnen verschiedene Länder die Einreise verweigern. In solchen Fällen kann ein Einlegeblatt im Pass die Probleme lösen; besser wäre, wenn man zwei Pässe besitzen würde. Unterhalten Sie sich mit Ihrem Paßamt. Vielleicht fällt Ihnen ein Argument ein, das die Herren zur Ausstellung eines zweiten Passes bewegt.

Tragen Sie einen Paß immer bei sich. Sollten Sie zwei Pässe besitzen, so verstecken Sie einen gut im Auto. Verstecken Sie zumindest den Personalausweis; im Falle eines Falles können Sie dann immer nachweisen, wer Sie sind. - In jedem Fall sollten Sie Fotokopien aller Ihrer Dokumente (also auch der KFZ-Papiere) machen und diese separat aufbewahren.

4.2 Auto-Dokumente

Wir fuhren mit unserem abgemeldeten und unversicherten Auto einmal um die Erde. Wirkliche Schwierigkeiten hatten wir deswegen nie. Aber wir sparten drei Jahre lang Steuern und Versicherung. Wir konnten sogar den Schadenfreiheitsrabatt retten, weil wir oft genug unterwegs kurzfristig versichert waren (z.B. für wenig Geld in Indien oder zwangsweise in Australien). Inzwischen zahlen heimische Versicherer den überzahlten Betrag für die Zeit des Aufenthalts im außereuropäischen Ausland zurück (in jedem Fall vor der Abreise schriftlich bestätigen lassen!).

Ein solch drastischer Schritt wie die Abmeldung des Autos ist nicht mehr nötig. Auch die ersparten Steuern schlagen nicht sonderlich zu Buche, weil nach einem Jahr Abmeldung das Auto schlichtweg bürokratisch seine Existenz verliert. D.h. man muß nach der Rückkehr durch eine komplette und nicht billige TÜV-Abnahme diese Existenz wieder beweisen. Allein diese Prozedur mit muffigen TÜV- Leuten und Schlange-Stehen in der Zulassungsstelle kann einem die Rückkehr so verleiden, daß man die Flucht nach vorn antritt - und Deutschland auf dem kürzesten Weg wieder verläßt.

Wenn Sie Ihr Auto für den Rest der Reise abmelden wollen, so können Sie das beim ersten außereuropäischen deutschen Konsulat (es geht bereits in Istanbul) oder Sie schicken die Nummernschilder mit den besten Grüßen an Ihre Zulassungsstelle zurück. Entweder Sie nehmen bereits von hier einen Reserve-Satz Nummernschilder mit, oder Sie malen ihre abgelaufene Nummer selbst aufs Auto. Grenzbeamte werden immer nur vergleichen, ob die am Wagen mit der im Carnet übereinstimmt.

Sie können eine andere Möglichkeit wählen, wenn Sie hier keine Steuern und Versicherung fürs Ausland zahlen wollen. Exportieren Sie das Auto mit einer sog. Zollnummer (ovales Kennzeichen), dann erhalten Sie nach dem Verlassen Deutschlands die beim Autokauf entrichtete Mehrwertsteuer zurück. Erkundigen Sie sich vor dem Kauf nach den Modalitäten beim Zollamt. Sollten Sie aber mit dem Auto wieder nach Hause zurückkommen, erwarten Sie hier Zollkosten und bürokratische Prozeduren (TÜV-Gutachten etc.).

Zu welchen Verfahren Sie sich auch entschließen, Sie werden folgende Dokumente benötigen:

Die Internationale Zulassung, die zwar nach einem Jahr unwiderruflich abläuft; das aber merkt unterwegs kein Mensch (selbst unsere bereits seit 2 Jahren ungültige Zulassung passierte mehrere Male Verkehrskontrollen in den USA). Ausstellung bei der KFZ-Zulassungsstelle.
Das Carnet de Passages als wesentlich wichtigeres Dokument. Hüten Sie es und lassen Sie es niemals aus den Augen; beim Verlust werden Sie in den betreffenden Ländern ungeahnte Schwierigkeiten bekommen.
Ein Carnet ist ein Jahr gültig; eine Verlängerung um ein weiteres Jahr ist - 4 Wochen vor Ablauf - im Ausland beim dortigen Automobilclub möglich (sehr umständlich, zeitaufwendig). Es darf allerdings nur zur Rückreise auf dem kürzesten Weg benutzt werden. Bei längerer Reise muß 6 - 8 Wochen vor Ablauf direkt bei der ADAC-Zentrale ein neuer Antrag gestellt werden.

Das Carnet de Passages ist ein Zollbürgschaftsdokument, mit dem sich der ausstellende Automobilclub dem Gastland gegenüber verpflichtet, daß das eingeführte Auto wieder ausgeführt oder aber der Zollbetrag entrichtet wird. Es besteht aus einzelnen Seiten mit jeweils 3 Abschnitten. Der erste Abschnitt wird bei der Einreise herausgetrennt und dieser Akt auf dem dritten vermerkt (achten Sie darauf!). Den zweiten Abschnitt trennt der Zöllner bei der Ausreise heraus; gleichzeitig quittiert er auf dem dritten Abschnitt die erfolgte Ausreise. Auch diese Unterschrift mit Stempel ist sehr wichtig, sie kann bares Geld wert sein.

Sie erhalten das Carnet de Passages beim ADAC oder anderen Automobilclubs. Beim ADAC müssen sie entweder einen bestimmen Betrag bis zur ordnungsgemäßen Rückgabe (auch als Bankbürgschaft möglich) hinterlegen oder Sie können diese Hinterlegung sparen, wenn Sie stattdessen eine Bürgschaftsablösegebühr zahlen. Bei der Ausstellung des Carnets geben Sie den Wert Ihres Fahrzeugs so niedrig wie von Aussehen und Zustand her vertretbar an; Sie können bei unglücklichen Umständen in die Verlegenheit geraten, diesen Betrag erstatten oder ihn verzollen zu müssen. Geben Sie bei "Leergewicht" das Gewicht an, das werksseitig ohne Wohnungseinrichtung eingetragen wurde. Schiffahrtslinien berechnen die Fracht nach den für sie günstigsten Daten: entweder nach dem höchsten Volumen oder- falls das Gewicht mehr einbringt - nach dem Gewicht.

Den nationalen KFZ-Zulassungsschein und die Grüne Versicherungskarte brauchen Sie nur in Europa; der KFZ-Brief ist nur in Deutschland interessant.

Die Frage, ob sich die Mitgliedschaft in einem deutschen Automobilclub lohnt, können wir nur positiv beantworten. In unserem Fall war der Kontakt zum ADAC sehr gut. Außerdem hatten wir alle Fahrzeugdaten hier hinterlassen und fanden es beruhigend zu wissen, daß wir im Notfall auf die Erfahrung des ADAC bezüglich Ersatzteilbeschaffung und -versand zurückgreifen konnten. Zum andern öffnet einem die Mitgliedskarte des hiesigen Vereins die Tore zum Informationsmaterial fremder Clubs.

Prüfen Sie, ob ein Auslandsschutzbrief für Sie in Frage kommt. Wir verzichteten immer darauf, weil wir seinen Gültigkeitsbereich jeweils sehr bald verließen.

Stellen Sie Ihren Mitreisenden eine Vollmacht aus, die sie berechtigt, im Notfall Ihren Wagen zu fahren und alle Zollformalitäten zu erledigen (mehrsprachige Vordrucke beim ADAC).

4.3 Versicherungen

Wer alle Risiken einer Reise durch Versicherungen abdecken will, der kann vor lauter Prämienzahlen überhaupt nicht mehr starten. Sie müssen gewillt sein, einen guten Teil des Risikos selbst zu tragen - das ist schon der erste Schritt aus den sozialen Fangleinen der Heimat. Trotz allem bleibt der Entschluß, welches Risiko an eine Versicherung weitergegeben werden soll. Jeder muß mit sich selbst ausmachen, ob er die Reisezeit bei der Rentenzahlung im Alter spüren will oder ob er viele Tausender pro Jahr von der Reisekasse abzwacken und an die BfA überweisen will (wir taten es nicht, nutzten aber später die zufällige Chance, Beiträge nachentrichten zu können).

Krankheiten können furchtbar ins Geld gehen. Nur die wenigsten Krankenversicherungen geben Ihnen für lange Reise-Zeiten Schutz rund um die Erde. Wir traten einer dieser Versicherungen bei und zahlten 40 Prozent Aufschlag; unterwegs stellten wir fest, daß in den allermeisten Staaten die Krankenkosten erheblich niedriger als in Deutschland liegen. Einzige Ausnahme: USA. Wir würden einen solchen Schritt nicht wieder tun, sondern zu einer normalen Krankenversicherung eine Zusatzversicherung abschließen, die überall alle Kosten bis zu einer Höchstsumme (z.B. 3000 DM) deckt. Wenn die Krankheit schlimmer aussieht, fliegt man am besten nach Hause (nehmen Sie eine Zusatzversicherung, die auch den Rücktransport übernimmt).

Vorsichtige Menschen können auch eine Privathaftpflichtversicherung mit weltweitem Schutz abschließen (als ich für dieses Buch bei der Gothaer Versicherung nachfragte, sagte der vorsichtige Vertreter "... also weltweit nicht, aber in allen Ländern der Erde ...").

Nur in relativ wenigen Ländern besteht Haftpflichtzwang für Autos (auf unserer Reise mußten wir nur in Afghanistan, Malaysia, Australien und Costa Rica eine Haftpflichtversicherung abschließen, gingen aber der geringen Kosten wegen zeitweise in Indien eine Versicherung ein). Fahren ohne Versicherung schärft das Reaktionsvermögen. Wenn Sie tatsächlich einen Unfall bauen, bewahrt Sie allerdings eine Versicherungspolice, die meist billig ist, vor dem in vielen Ländern üblichen Gefängnisaufenthalt, der auch bei Fremden praktiziert wird.

Wenn Ihnen trotzdem das Risiko zu groß ist, so sollten Sie sich an die Assurance Sport et Tourisme, 7, rue Bordaloue, 75009 Paris, wenden, die angeblich eine weltweite Haftpflichtversicherung anbietet.

Zu Überlegen ist eine Reisegepäckversicherung, die auch den Inhalt Ihres Campers abdeckt. Es ist schwierig, länger als 1 Jahr zu versichern. Wir fanden nur den Gerling-Konzern, bei dem wir wegen einer sehr teuren Kamera auch extreme Gebühren zahlten.

Wir haben die Erfahrung gemacht, daß normalerweise die Risiken im Ausland nicht höher als zu Hause sind, wenn man sich anpaßt und aus Eigenschutz die Augen offenhält. Leute, die z.B. Kameras lässig auf dem Autositz liegenlassen, dürfen sich über die eingeschlagene Scheibe nicht wundern.

4.4 Geldtransport und -transfer

Für eine lange Reise braucht man viel Geld, was nach dem Beschaffungs- in ein Transportproblem übergeht. Am sichersten sind Reiseschecks. Sie haben allerdings den erheblichen Nachteil, daß man sie nur bei einer Bank - die gerade immer dann geschlossen ist - in bare Münze umsetzen kann und daß sie nicht oder nur schlecht auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen sind.

Wir schleppten außer einer bescheidenen Notreserve in Schecks immer Bargeld jeweils für einen Halbjahresbedarf mit. Man sollte es an mehreren Stellen im Auto verstecken, am Körper nicht in einem Brustbeutel tragen. Binden Sie sich eine Tasche für Geld und Paß auf den Bauch: daß Ihnen ein Taschendieb die Hose aufknöpft, dürfte unwahrscheinlich sein. Aber im Menschengewühl das Trageband des Brustbeutels durchschneiden, den Beutel blitzschnell an diesem Band herausziehen und verschwinden, das dauert 2 Sekunden. (Wir steckten, als wir in Südamerika auf die Ankunft unseres Wagens warteten, Hundert-Dollarnoten in die Schuhe. Nach einer Woche waren vier Noten so durchgelaufen, daß wir sie nur noch in den USA umtauschen konnten).

Eine größere Sicherheit als ein Brustbeutel bietet ein Geldgürtel; aber diese Gürtel sind inzwischen so verbreitet, daß sich auch Diebe genau damit auskennen. Nehmen Sie eine Menge Ein-Dollar-Noten (auch ein paar Fünfer und Zehner) mit, weil Sie häufig kurz vor Verlassen eines Landes noch einmal tauschen müssen, Ihnen aber kein Wechsler 99 Dollars zurückgeben kann oder will.

Als Reiseschecks sollten Sie American Express oder First National City Bank nehmen, weil diese Banken weltweit über ein relativ dichtes Filialnetz verfügen (Liste der Filialen mitnehmen) und weil Sie im Falle eines Falles dann schneller an Ersatzschecks kommen.

Wählen Sie die richtige Währung. Im Nah- bis Mittelost-Bereich läßt sich die DM recht gut tauschen. Alle anderen Länder, besonders die beiden Amerikas, kennen die DM zu schlecht und bevorzugen Dollars, die französischsprachigen Afrika-Länder zum Dollar auch Franc.

Die deutschen Großbanken arbeiten weltweit mit vielen Korrespondenzbanken zusammen. Bei diesen Korrespondenzbanken (auch den direkten Zweigstellen) liegen Listen mit den Unterschriften der Zeichnungsberechtigten. Deshalb empfiehlt es sich, für den Geldnachschub von zu Hause bei einer hiesigen Großbank ein Konto zu besitzen. Bei Bedarf lassen Sie sich einen Verrechnungsscheck an die Korrespondenzbank im fremden Land schicken. Das ist nicht billig, aber sicher. Suchen Sie sich die Länder, in die Sie Geld überweisen lassen, sorgfältig aus. Wichtig ist, daß Ihr Geld dort ohne nennenswerten Kursverlust in harte Währung umgetauscht wird. Es funktionierte bei uns problemlos in Thailand, Japan, Singapore, Australien, Ecuador und Mexico.

Man kann sich auch Geld direkt an eine Bank im fremden Land überweisen lassen. Uns sind mehrere Fälle bekannt, wo Leute wochenlang auf die Ankunft der Überweisung warteten - es lag aber seit langem in einer Vorortzweigstelle. Zu Hause müssen Sie jemanden ermächtigen, über Ihr Konto zu verfügen. Sollte Ihnen das zu riskant sein, müßten Sie direkt mit der Bank ein Verfahren aushandeln, wie Sie aus dem Ausland an Ihr Geld kommen können.

4.5 Autoverkauf

Einige wenige Plätze in Afrika scheinen noch für den Autoverkauf interessant zu sein, in anderen Kontinenten ist gar kein Geschäft mehr zu machen; schlimmer noch, meistens ist der Handel zolltechnisch gar nicht erlaubt.

Wir verkauften einst einen PKW im Iran. Damals schworen wir, das nie wieder zu tun; einmal sind uns die orientalischen Händler haushoch überlegen, zum anderen kostet der Instanzenweg unendlich viel Zeit und Nerven.

Viele Länder Asiens, von Pakistan bis Thailand, pflegen den Linksverkehr und dort sind Sie mit einem rechtsgelenkten Auto zumindest wieder so sehr im Nachteil, daß sie lieber das Auto mit nach Hause nehmen. Indien z.B. läßt die Einfuhr fremder Fahrzeuge praktisch überhaupt nicht zu.

In Australien kollidieren Sie beim Verkauf ebenfalls mit dem Linksverkehr: Sie dürfen kein rechtsgelenktes Fahrzeug importieren (nur vorübergehend als Tourist); Sie können eventuell Ihren Wagen für viele tausend Dollar zum Rechtslenker umbauen lassen, anschließend macht jedoch die australische Zulassungsbehörde Crashversuche mit dem guten Stück...

In Südamerika ist der Autoverkauf in praktisch allen Ländern verboten. Ihr teuer verschifftes Auto müssen Sie wiederum für viel Geld auf's Schiff stellen oder jemanden finden, der mit dem Auto an Ihrer Stelle weiterreist (kein Einheimischer natürlich).

Ein beliebiges, hier gekauftes Auto in den USA verkaufen zu wollen, ist auch kaum machbar. Die amerikanischen Sicherheitsbestimmungen waren schon seit vielen Jahren schärfer als unsere, d.h. Sie müßten Ihr Auto für viel Geld auf den Stand dieser Bestimmungen bringen. Alternativ können Sie, wenn Sie eine Weltreise mit Ende in den USA planen, sich hier einen VW-Bus in USA-Ausführung anschaffen.
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